//KW 24 – Video, Video, Video

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ob Netflix oder YouTube – die Deutschen haben ihr Herz fürs Streaming entdeckt. Gefragt ist allerdings nicht nur die reine Unterhaltung. Ratgeber- oder Erklärvideos erleben ebenfalls einen Boom. Sie sind nicht nur als Nachhilfelehrer im Einsatz, sondern auch im Business. Denn nicht nur komplexe Matheaufgaben lassen sich so besser nachvollziehen, Sprachen oder Bedienungsanleitungen sind ebenfalls leichter zugänglich. Neues gibt es zum Thema Video auch von Instagram. Und wer der guten alten DVD noch nachtrauert, darf sich auf den letzten Absatz freuen. Ansonsten:

viel Spaß beim Lesen!

Netflix macht die Deutschen happy

Mit fünf Millionen zahlenden Kunden ist kein Streamingdienst in Deutschland so beliebt wie Netflix. Und 69 Prozent davon sind mit Preisen, Produktangebot und Qualität des amerikanischen Anbieters hochzufrieden, so eine aktuelle Untersuchung. Für eine Marke allerdings noch viel wichtiger sind die echten Fans. Auch hier liegt Netflix vorn. 38 Prozent der Nutzer identifizieren die Studienmacher als „echte Fans“, also emotional gebundene Kunden. Solche Fans stehen Unternehmen nicht nur in schwierigen Zeiten bei, sie geben auch gern Empfehlungen. Dazu passt eine weitere Zahl aus der Studie: 64 Prozent der Befragten geben an, Netflix aufgrund einer Empfehlung von Freunden, Bekannten oder Verwandten gewählt zu haben. Auf dem zweiten Platz der Studie landet Videoload, das Angebot der Deutschen Telekom, noch vor Amazon Prime.

YouTube als Nachhilfelehrer

Schaut man abseits der Bezahl-Portale, ist YouTube nach wie vor das Maß aller Dinge, insbesondere bei jungen Nutzern. Doch für welche Inhalte interessiert sich die junge Zielgruppe? Eine Frage, die sich nicht nur Eltern stellen dürften. Eine repräsentative Studie des Rates für Kulturelle Bildung hat ergeben, dass 86 Prozent der 12- bis 19-Jährigen YouTube nutzen. Für die meisten Jugendlichen müssen die Videos „unterhaltsam“ (63 Prozent) und „witzig“ (59 Prozent) sein. Trotzdem geht es nicht nur um Spaß oder Zeitvertreib. Fast jeder zweite junge YouTube-Nutzer (47 Prozent) sagt, die Clips seien wichtig oder sogar sehr wichtig bei Schul-Themen. Die meisten davon nutzen die Plattform für Hausaufgaben oder um sich Dinge erklären zu lassen, die sie im Unterricht nicht verstanden haben. Zudem zeigt die Umfrage Zusammenhänge zwischen dem Konsum von YouTube-Videos und dem Interesse für Hobbys und für kreative Tätigkeiten. Mädchen werden vor allem von Tanz- und Choreografie-Videos dazu animiert, dann auch selbst mit dem Tanzen anzufangen (40 Prozent). Bei Jungen sind es Computerspiele: 38 Prozent derjenigen, die sich für Games interessieren – und das ist die große Mehrheit der Befragten – sagen, YouTube-Videos über Games stärken ihr Interesse an Games noch mehr. Ähnliche Effekte sind laut Studie auch bei den Themen Singen/Musizieren, Film/Fotografie oder Zeichnen und Malen zu erkennen.

Erklärvideos auch in anderen Bereichen gefragt

Doch nicht nur als Nachhilfelehrer taugen Videos. Erklärvideos insgesamt sind derzeit gefragt. Und das gilt für den B2C- und B2B-Bereich gleichermaßen. Warum das so ist, erklärt scinexx.de: „Sie sind ideal geeignet, um die digitalisierte Arbeitswelt sicht- und greifbar zu machen. Unternehmen können mithilfe der Videos zum Beispiel neue Prozesse erläutern, Workflows veranschaulichen und sich dabei einer relativ einfachen Sprache bedienen. Plakative Merksätze und schlagwortartige Hinweise sind mit einem Erklärvideo einfach und wirkungsvoll zu kommunizieren. Lernvideos sind praktisch 24/7 für Mitarbeiter abrufbar. Sie können ein Video jederzeit unterbrechen und es bei Bedarf erneut ansehen.“ Dadurch werde selbstbestimmtes Lernen ermöglicht. In Zeiten des schnellen Wandels sind dies wichtige Vorteile, die auch in der Kommunikation mit Kunden eine immer größere Rolle spielen. Deswegen geht scinexx davon aus, dass Erklärvideos auch künftig boomen werden.

Und wenn keiner Dein Video sieht …

Zum Jahreswechsel 2018/2019 gab es bei YouTube 5,2 Milliarden öffentlich abrufbare Videos. Sie waren insgesamt eine Milliarde Stunden lang. Anders ausgedrückt: Es würde deutlich länger als 100.000 Jahre dauern, alle Videos der Reihe nach anzuschauen. Wollte YouTube Geld sparen, könnte der Anbieter allerdings mehr als 99 Prozent der Videos löschen, ohne dass es stark auffallen würde. Der Grund: 91 Prozent der Videos weisen 1.000 oder weniger Abrufe auf, schreibt heise.de mit Bezug auf eine aktuelle Studie. Und umgekehrt: Nur 0,64 Prozent des Materials schaffen 100.000 oder mehr Abrufe. Das zeigt, dass das Nutzerinteresse bei YouTube extrem konzentriert ist. Denn auf die nur 0,64 Prozent reichweitenstarken Videos entfallen gut 81 Prozent aller Aufrufe. Zu den beliebtesten Kategorien gehören Musik, Entertainment und Gaming. Das große Angebot bei YouTube stellt auch Unternehmen vor eine Herausforderung. Sie müssen mit exzellentem Content überzeugen, um wahrgenommen zu werden. Tipps, wie Unternehmen die Plattform sinnvoll nutzen, gibt es dazu im OSK-Blog.

Hoch oder quer – (k)eine Glaubensfrage

Egal ob auf YouTube, Vimeo oder Facebook, Videos erscheinen im Querformat. Das ist so gelernt. Instagram dagegen wollte bei Einführung von IGTV vor rund einem Jahr mit dieser Gewohnheit brechen, indem es Videos nur im Hochformat erlaubte. Die Begründung erschien nachvollziehbar: Nutzer halten ihr Smartphone meistens im Hochformat. Deswegen sollte niemand es für das Anschauen eines Videos drehen müssen. Damit wollte Instagram Creators gewinnen, exklusive Videoinhalte für die eigene Plattform zu erstellen, und sie so von YouTube weglocken. Laut allfacebook.de trat jedoch eher das Gegenteil ein: Inhalteproduzenten recycelten ihre Videos von YouTube für IGTV, indem sie diese vor dem Upload ins Hochformat drehten. Wohl auch ein Grund, warum IGTV nie so richtige Akzeptanz gefunden hat. Bevor Instagram das Format nun völlig abschreiben musste, erfolgte im Mai die Kehrtwende: Die Plattform erlaubt für IGTV nun auch Videos im Querformat.

Fun Fact: Netflix verleiht sogar noch DVDs

Wer Video-on-Demand – egal, ob kostenlos oder kostenpflichtig – so gar nichts abgewinnen kann, der kann immer noch zu den guten alten DVDs greifen. Und hier sogar Kunde bei Netflix werden, wenn er in den USA wohnt. Denn was kaum noch jemand ahnt: Rund 2,7 Millionen Amerikaner leihen sich DVDs bei Netflix, die sie zuvor online bestellt haben. Als das Unternehmen 1997 gegen die Videotheken antrat, war der Verleih das eigentliche Geschäftsmodell. Trotz aller Erfolge durch das Streaming ist der Verleih nach wie vor nicht in Vergessenheit geraten. Zwei Zahlen belegen dies: Im Streaming-Abo stehen derzeit rund 6.000 Inhalte zur Verfügung, produziert vornehmlich ab dem Jahr 2000. Im DVD-Verleih hat Netflix dagegen noch 100.000 Titel aus allen Jahrzehnten der Filmgeschichte im Angebot.

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