//KW 25 – GEN Summit 2016 – „one size fits all“ zählt nicht mehr

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Liebe Leserinnen und Leser,

digitale Technologien haben in den vergangenen Jahrzehnten auf dramatische Weise beeinflusst, wie wir Nachrichten und Informationen konsumieren und produzieren. Um die neuen Entwicklungen zu diskutieren, tagten vergangene Woche über 700 Chefredakteure, Herausgeber, Journalisten, Medienmacher und Multiplikatoren aus über 60 Nationen beim jährlichen Summit des Global Editors Network (GEN Summit) in Wien.

Wie die Vorträge und Diskussionen zeigten, geht die Transformation ungebremst weiter – in der Mediennutzung genauso wie bei Tools und Anwendungen von Roboter-Journalismus bis hin zu Virtual Reality. Um einen Überblick darüber zu geben, was die Branche beschäftigt, zeigen wir im Newsletter dieses Mal eine Auswahl der spannendsten Themen rund um den GEN Summit.

Viel Spaß beim Lesen!

Netz-Vordenkerin Emily Bell warnt: Facebook frisst das Internet!

„Facebook verschlingt die ganze Welt.“ Mit dieser Ansage sorgte die britische Digitalexpertin Emily Bell für Aufsehen. In einer Rede an der Universität Cambridge analysierte die Wissenschaftlerin und frühere Medienmanagerin im März den riesigen Einfluss der sozialen Medien. Bell war ebenfalls Gast beim GEN Summit. Vor ihrem Besuch in Wien sprach sie mit dem österreichischen Nachrichtenmagazin Profil über die gesellschaftliche Rolle der sozialen Netzwerke und deren Auswirkungen auf unser Leben. Facebook, Google, Apple und Amazon – Bell nennt sie die vier „apokalyptischen Reiter“ – kämpfen schließlich um jede Sekunde im Leben der User.

Das knappe Zeitbudget der Nutzer respektieren

Die meisten klassischen journalistischen Seiten und Apps stecken noch im Industrie- oder Broadcast-Zeitalter fest, kritisiert Wolfgang Blau. Der Chief Digital Officer von Condé Nast International hat beim GEN Summit mit der österreichischen Tageszeitung Kurier gesprochen. Noch immer gelte im Journalismus: „one size fits all“, ein und dasselbe Produkt für alle. Nicht nur Homepages, auch Newsletter und Lese- und oder Video-Empfehlungen sollten laut dem Digitalstrategen persönlicher werden. Das bedeute nicht, den redaktionellen Anspruch auf eine allgemein verbindliche News-Agenda aufzugeben. Vielmehr müssten Redaktionen das knappe Zeitbudget der Nutzer respektieren. Blau verdeutlicht: „Wenn ich zum Beispiel weiß, dass eine Leserin oder ein Leser seit drei Jahren keinen meiner Sporttexte angeklickt hat, weshalb behellige ich sie oder ihn dann immer noch mit Sport, statt endlich relevantere Lesevorschläge zu machen?“

Die meisten Internet-Nutzer schauen keine News-Videos

News-Videos sind bei Internet-Nutzern nicht beliebt. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Reuters Institut für Journalismus, wie HORIZONT berichtet. „78 Prozent konsumieren online kaum oder nie Nachrichtenvideos“, sagte Nic Newman, Studienautor des Digital News Reports 2016, beim GEN Summit. Textnachrichten seien schneller und einfacher zu konsumieren als Videos, erklärte Newman unter Verweis auf die in 26 Ländern durchgeführte Online-Umfrage. Damit argumentiert er gegen die allgemeine Ansicht, dass der Video-Konsum in allen Bereichen stark zunimmt. Auch Werbeclips, die vor den Videos laufen, würden Nutzer davon abhalten, sich Nachrichtenvideos anzuschauen. Video-Content würde eher abseits von Nachrichtenseiten angeschaut.

Blankesteijn: „Zeitungstitel oft schrecklich“

Die Journalismus-Plattform Blendle beschäftigt eigens ein Redaktionsteam, um schlechte Zeitungsüberschriften umzuschreiben, berichtet derstandard.at. Die Titel der angelieferten Artikel seien oft schrecklich. Dadurch würden sie sich im digitalen Zeitungskiosk von Blendle oft deutlich schlechter verkaufen, erzählte Gründer Marten Blankesteijn auf dem GEN Summit. Zu den schlechten Headlines im Print komme es vor allem wegen eines fehlenden Austauschs zwischen Lesern und Autoren: „Der Grund, warum die Überschriften in Print so schlecht sind, ist, weil es nie direktes Feedback gibt.“

Bestes Medien-Start-up: Transkriptions-Tool „Trint“

Der Transkribierdienst „Trint“ ist beim Summit zum besten Medien-Start-up ausgezeichnet worden. Der neue Service setzte sich in „Pitch Battles“ vor Fachpublikum gegen 15 weitere Start-ups aus der Medienbranche durch. Das Tool ermöglicht das Transkribieren von Video- und Tonaufnahmen mittels Online-Dienst. Gesprochene Aufnahmen sollen damit schnell in vollwertige Texte umgewandelt werden. Im Test des Tech-Magazins futurezone.at war die Beta-Version des Dienstes allerdings durchaus noch fehlerbehaftet. Die Prognose von futurezone fällt dennoch positiv aus: „Steigt die Präzision des Verfahrens, hat Trint (…) wohl einiges Potenzial in der Nachrichtenwelt.“

 

Die Übersicht behalten: Mit OSK Weekly präsentieren wir einmal wöchentlich einen kompakten Überblick zu aktuellen Entwicklungen aus der Welt der Kommunikations- und Digitalbranche – mit spannenden, bemerkenswerten und wie wir finden teilenswerten Nachrichten aus den Bereichen PR, Marketing, Social Media & Co.

Dieser Artikel wurde vor mehr als einem Jahr veröffentlicht. Sein Inhalt ist möglicherweise nicht mehr aktuell.

Online-Redakteur

Carsten Christian ist studierter Journalist und Kommunikationswissenschaftler, seinen Master-Abschluss hat er an der Uni Hamburg gemacht. Bevor er zur Agentur kam, war der Digital Native mehr als zwei Jahre für die Online- und Print-Ausgabe der Ruhr Nachrichten im Einsatz. Bei OSK arbeitet er als Online- und Social-Media-Redakteur, auf dem Agentur-Blog schreibt Carsten über den Medienwandel und Trends im Bereich Mobile und (Online-)Video. Privat verfolgt er Neuigkeiten in der Videospiel- und Gaming-Szene, schaut gerne Let's-Plays auf YouTube und greift auch selbst zu Maus und Gamepad.

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