//KW 40 – Virtual Reality im Journalismus: VR hilft, die Wirklichkeit zu zeigen

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Liebe Leserinnen und Leser,

Virtual Reality und 360-Grad-Videos entwickeln sich zu Storytelling-Tools, mit denen bereits viele Medien experimentieren – von der New York Times bis zur Süddeutschen Zeitung. Wie immersiver Journalismus funktioniert, welches Potenzial er birgt und warum er noch nicht massentauglich ist, beleuchten wir diese Woche im Newsletter.

Viel Spaß beim Lesen!

Die New York Times wagt den Schritt in die virtuelle Realität

Die New York Times nimmt im VR-Journalismus eine Vorreiterrolle ein. Im November 2015 erhielten Stammleser zusätzlich zur Zeitung eine Papp-VR-Brille, woraufhin sich rund 600.000 von ihnen die passende App herunterluden. Nach eigenen Angaben verdient die Times bereits Geld mit ihren virtuellen Geschichten. Sie refinanziert sich durch Branded Content, also gesponserte Virtual-Reality-Filme. Mark Thompson, CEO der New York Times Company, sieht großes Potenzial und ein wachsendes Publikum für VR-Formate.

Funktioniert die Koexistenz von VR und Journalismus?

„Journalismus erzählt die Wahrheit, während VR neue Welten erschafft“, schreibt Forbes-Autor Steven Rosenbaum und fragt sich, inwiefern eine Koexistenz möglich ist. Schon der Begriff „Virtual Reality“ sei verwirrend, da sich mit „virtuell“ und „real“ eigentlich zwei Gegensätze gegenüberstünden. VR verändere die Bedingungen sowohl für Journalisten als auch für Leser, die vielmehr zu Teilnehmern würden, meint Rosenbaum. Diese neue Erfahrung könne ein junges Publikum anlocken, verwische aber gleichzeitig die Grenze zwischen Videospielen und Realität.

VR-Journalismus braucht eigene Regeln

Studenten der Universität Stanford haben im Rahmen eines Journalismus-Projekts „Best Practices“ für den Gebrauch von Virtual-Reality-Storytelling aufgestellt. Sie haben nicht nur die Hardware getestet, sondern sich auch mit ethnischen Fragen auseinandergesetzt. Die Studenten geben unter anderem Empfehlungen, zu welchem Zweck die Technologie im Journalismus eingesetzt werden sollte und wann nicht. Der Versuch, traditionelle Video-Journalismus-Techniken für VR zu adaptieren, sei ethisch und erzählerisch problematisch, befanden die Studenten. Um ein „ethnisches Dilemma“ zu vermeiden, müssten für den VR-Journalismus also eigene, neue Regeln definiert werden.

Vor lauter Emotionen nicht den Fokus verlieren

„Virtual Reality verliert an Glaubhaftigkeit, wenn der Fokus ausschließlich auf Emotionen und nicht auf Informationen liegt“, warnt Katherine Chin, Autorin beim Brown Political Review. Die eigentliche Aufgabe des Journalisten stehe oftmals im Konflikt mit der subjektiven, emotionalen Erzählweise von VR. Man müsse also trennen und sich genau überlegen, welche Inhalte in Virtual Reality erzählt werden können und welche nicht. Teilweise würden Hintergrundinformationen, die für die Geschichte wichtig wären, verloren gehen, sagt Chin.

 

Für eine weitere Einschätzung haben wir Journalisten und Fachkenner nach ihren Meinungen zur Thematik gefragt:

Dr. Holger Schmidt, Journalist, Blogger und Digital-Experte: “Mit Virtual und Augmented Reality können Journalisten ihre Leser/Zuschauer ganz dicht ans Geschehen heranholen, was vor allem klassischen Medien Türen öffnet. Aber ganz so schnell wird der Durchbruch nicht kommen: Die Hardware braucht noch mindestens einen Innovationsschub, um im Massenmarkt anzukommen.”

Dennis Horn, Technikjournalist: “Ein mächtigeres Medium als Virtual Reality ist mir bisher nicht begegnet. Vor Ort im Kriegsgebiet, mitten in einer Demonstration oder im Auge einer Naturkatastrophe – Virtual Reality ist immer dann spannend, wenn Themen komplex oder abstrakt oder nur zu vermitteln sind, wenn man betroffen ist. Für den Journalismus ist das eine riesige Chance.”

Holger Schubart, Creative Director Motiondesign bei OSK: “Virtuelle Realitäten werden ihr Potenzial weiterhin vorrangig in Wissenschaft und Forschung entfalten und ihren Siegeszug im Gaming Bereich natürlich fortsetzen. In vielen anderen Bereichen, beispielsweise in der Unternehmenskommunikation oder bei Events, werden VR und 360-Grad-Videos derzeit überbewertet, denn das mit anderen geteilte Live-Erlebnis ist emotional unschlagbar.”

Die Übersicht behalten: Mit OSK Weekly präsentieren wir einmal wöchentlich einen kompakten Überblick zu aktuellen Entwicklungen aus der Welt der Kommunikations- und Digitalbranche – mit spannenden, bemerkenswerten und wie wir finden teilenswerten Nachrichten aus den Bereichen PR, Marketing, Social Media & Co.

Dieser Artikel wurde vor mehr als einem Jahr veröffentlicht. Sein Inhalt ist möglicherweise nicht mehr aktuell.

Friederike Pater ist studierte Journalistin und hat schon während ihrer Unizeit in der PR gearbeitet. Ihr Weg führte sie von der Konzernkommunikation über die Redaktion der Mittelbayerische Zeitung bis hin zu OSK nach Köln. Seit November 2014 arbeitet sie in der Agentur als PR-Assistant im Bereich Consulting. In ihrer Freizeit powert sie sich beim Crossfit-Training aus, genießt das gesellschaftliche, kulturelle und kulinarische Angebot der Rheinmetropole und lässt sich vom urbanen Charme Kölns zur Malerei inspirieren.

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