//KW 39 – Gerüchte um Twitter-Verkauf: Das Netzwerk hat viele Interessenten

osk_weekly-kw39-twitter-verkauf-titel

Sie möchten unseren Newsletter zukünftig direkt an Ihr E-Mail-Postfach zugestellt bekommen? Dann melden Sie sich hier für den OSK Weekly an.


Liebe Leserinnen und Leser,

Twitter steht angeblich zum Verkauf. Nachdem der Kurznachrichtendienst seit geraumer Zeit hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben ist und auch die Erwartungen von Anlegern, Experten und Anhängern nicht erfüllen konnte, sucht das Unternehmen nun wohl einen Käufer. Google und Disney scheinen interessiert zu sein, wenn man den Meldungen und Gerüchten glauben mag. Nach Angaben des TV-Senders CNBC soll der Verkauf sogar schon in den nächsten 30 bis 45 Tagen über die Bühne gehen. Wir haben die jüngsten Entwicklungen rund um Twitter zusammengestellt und geben Ihnen diese Woche einen kompakten Überblick zum Kurznachrichtendienst, der dieser Tage zehn Jahre alt wird.

Viel Spaß beim Lesen!

Wer kauft Twitter – und wieso?

Salesforce, Google, Verizon und Disney – das sollen derzeit die potenziellen Twitter-Käufer sein. WIRED Deutschland hat sich die Motive der Unternehmen genauer angeschaut. Disney suche beispielsweise eine Plattform für Video-Distribution und Streaming, um Zuschauer auf der ganzen Welt zu erreichen. Der Software-Anbieter Salesforce könnte Twitter in erster Linie für Social-Media-Zwecke einsetzen, spekuliert Autorin Elisabeth Obendorfer. Am wahrscheinlichsten sei der Verkauf an Google Alphabet. Twitter ist ein beliebtes Tool für Journalisten, die auf der Plattform über politische Ereignisse hautnah berichten – das könnte für Google attraktiv sein, denn eigene journalistische Angebote fehlen dem Suchmaschinenkonzern. Twitter strebe einen Deal in Höhe von 30 Milliarden Dollar an, sagen Insider.

Twitter kann sich keine Stagnation leisten

Twitters Krise war bereits vor gut einem Jahr spürbar. MZ-Autor Frank-Thomas Wenzel berichtete schon Mitte 2015 über stagnierende Nutzerzahlen beim Kurznachrichtendienst. Zur gleichen Zeit wuchsen seine Konkurrenten Facebook, WhatsApp und Snapchat stark an. Ohne nachhaltiges Nutzerwachstum konnte Twitter nicht expandieren und wurde für Investoren unattraktiv. Das Unternehmen tut sich schwer, seinen Nutzern einen echten Mehrwert – etwas, was Facebook nicht bereits schon hat, – anzubieten. Mark Zuckerbergs Social-Riese hat es geschafft, zahlreiche Funktionen unter einem Dach zu vereinen. So brauche der Nutzer die Plattform gar nicht mehr zu wechseln – und keinen zusätzlichen Twitter-Account, meint TechCrunch-Autor Josh Constine.

Auch die positive Entwicklung von Snapchat tut dem Kurznachrichtendienst nicht gut. Twitter-CEO Jack Dorsey selbst gab Schwachstellen zu, beispielsweise die mangelhafte Zugänglichkeit, vor allem bei der mobilen Nutzung. Snapchat hingegen mache einfach mehr Spaß und biete genau die Art von Kommunikation, die die Nutzer derzeit wollen, glaubt Kimberlee Morrison, Autorin bei Adweek.

© Twitter

Quelle: Statista

Twitter-Chef setzt auf Video und mehr Zeichen

Bevor die Gerüchte über den Verkauf von Twitter kursierten, präsentierte CEO Jeck Dorsey seinen Rettungsplan. Mit Videos will Twitter-Chef Jack Dorsey den Kurznachrichtendienst aus der Krise führen. Außerdem hob er die Begrenzung von 140 Zeichen leicht an. Die Königsdisziplin von Twitter sei die schnelle Lieferung von Nachrichten, sagt Dorsey. Zudem habe er die Relevanz von Video-Content erkannt. Sein Plan ist es, Twitter überall verfügbar zu machen und TV mit Mobile zu vereinen. So könne der Nutzer Nachrichten sehen und gleichzeitig – auf demselben Bildschirm – kommentieren.

Anleger entziehen Twitter das Vertrauen

Angesichts fehlender Wachstumsperspektiven haben Anleger das Vertrauen in Twitter verloren. Mit dramatischen Konsequenzen für den Aktienkurs, der Anfang September um fast sechs Prozent auf 18,70 Dollar eingebrochen ist. 2013 lag die Twitter-Aktie noch bei über 73 Dollar. Berichte über Stellenstreichungen, den Verkauf von Unternehmensteilen wie Vine oder gar der Verkauf von Twitter selbst trieben die Kursverluste an. Der Kurznachrichtendienst steckt schon seit längerem in der Krise: Während Twitter etwa bei Journalisten, Medienschaffenden, Aktivisten und Prominenten von Musik bis Sport sehr beliebt ist, hapert es bei der Akzeptanz in der breiten Bevölkerung.

© Statista

Quelle: Statista

Studie: Twitter spielt wichtige Rolle im E-Commerce

Trotz Krise sei der Kurznachrichtendienst weiterhin wichtig im Hinblick auf Kaufentscheidungen, schreibt WiWo-Redakteur Michael Koker. Denn Twitter eignet sich laut einer neuen Untersuchung besonders für die Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden. Mit 320 Millionen aktiven Nutzern ist Twitter immer noch eines der großen sozialen Netzwerke. Darüber hinaus spielt der Kurznachrichtendienst eine wichtige Rolle im E-Commerce: Über 50 Prozent der Nutzer haben schon einmal Produkte gekauft, die sie zuvor auf Twitter wahrgenommen haben.

 

Twitter schafft es nicht, mit neuen Ansätzen und Ideen die breite Masse anzusprechen. Auf der anderen Seite gelingt es ebenso wenig, die Plattformstärken auf ein interessiertes Fachpublikum auszurichten. Obwohl dieses nach unserer Einschätzung durchaus vorhanden ist. Der Dienst ist ein guter Indikator dafür, welche Themen in einer bestimmten Branche derzeit „heiß“ sind. Wie beliebt Twitter bei Unternehmen noch immer ist, zeigt eine Studie von Lithium Technologies. Laut der Untersuchung nutzen 79 Prozent der befragten Social-Media-Manager Twitter. Potenzial ist also durchaus vorhanden, aber sollte Twitter sich nicht neu erfinden können, ist die Zukunft des Dienstes ungewiss. 

Zur weiteren Einschätzung bezüglich der Twitter-Situation haben wir zwei Digital-Experten um kurze Statements zum Kurznachrichtendienst gebeten: 

Stephan Dörner, Chefredakteur t3n.de: „Für mich als Journalist ist Twitter insbesondere für Breaking-News-Situationen immer noch das interessanteste und wertvollste Medium. Twitter mag aus Investorensicht das Problem haben, dass es nicht mehr wächst – aber als Medium zur Vernetzung ist es nach wie vor sehr wertvoll, gerade weil auf Twitter nicht jeder ist. Besonders Journalisten, aber auch zahlreiche wichtige Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft nutzen Twitter nach wie vor sehr aktiv. Aus wirtschaftlicher Sicht würde ich Twitter empfehlen, einen Dienst aufzubauen, der sich ohne Anmeldung nutzen lässt. Gerade im Bereich von Echtzeitinformationen hat Twitter nach wie vor keine Konkurrenz.“

Tolgay Azman, Redaktionsleiter Business Punk: “Das Netzwerk mag zwar im Großen und Ganzen an Relevanz verloren haben, aber: Twitter bietet nach wie vor die Möglichkeit, transparent, ungefiltert sowie authentisch zu kommunizieren – und das schnell und unkompliziert. Während in anderen Netzwerken vor allem Influencer und große Publisher Diskurse anstoßen, bietet Twitter praktisch jedem User die Chance, den richtigen Nerv zu treffen – egal ob mit oder ohne große Follower-Zahl.”

Robert Scoble, Autor, Blogger und Tech-Experte: “Twitter ist ein System, das Nachrichten und Infos in Echtzeit liefert. Unglücklicherweise hat Twitter viele Fehler in seiner Geschichte gemacht und hinkt Facebook nun meilenweit hinterher. Es hat durchaus einige große Vorteile. Sein Logo findet man auf den Seiten von Millionen Unternehmen auf der ganzen Welt. Zudem ist es DER ORT, an dem viele Promis und Medienmacher zur Welt sprechen. Wird Twitter überleben? Ich weiß es nicht, aber schwache Tiere überleben normalerweise nicht, wenn stärkere Tiere sie jagen. Und Twitter ist ein schwaches Tier.”

Sascha Pallenberg, Blogger auf Mobilegeeks: ” Twitter hat ein Wachstums- und Monetarisierungs-Problem. Der Verkauf von Datenpaketen an Analysten, Marketing- und Research-Firmen reicht nicht und die paar Sponsored Tweets… das sind Peanuts im Vergleich zur Konkurrenz.

Aber Twitter ist ja immer noch eine wunderbare Plattform und für viele Menschen der direkteste Weg, um mit Menschen des öffentlichen Lebens in Kontakt zu treten… mal vom ganzen “Kurznachrichtendienst” hier und „newsrelevant” dort abgesehen. Insgeheim hoffe ich, dass sich Microsoft um die Übernahme bemüht. Windows 10 hat ja schon per Default einen Client integriert, der das Benachrichtigungs-Feature auf dem Desktop nutzt. Außerdem könnte sich Microsoft damit noch stärker gegenüber Google positionieren.

Die Übersicht behalten: Mit OSK Weekly präsentieren wir einmal wöchentlich einen kompakten Überblick zu aktuellen Entwicklungen aus der Welt der Kommunikations- und Digitalbranche – mit spannenden, bemerkenswerten und wie wir finden teilenswerten Nachrichten aus den Bereichen PR, Marketing, Social Media & Co.

Dieser Artikel wurde vor mehr als einem Jahr veröffentlicht. Sein Inhalt ist möglicherweise nicht mehr aktuell.

Online-Redakteur

Carsten Christian ist studierter Journalist und Kommunikationswissenschaftler, seinen Master-Abschluss hat er an der Uni Hamburg gemacht. Bevor er zur Agentur kam, war der Digital Native mehr als zwei Jahre für die Online- und Print-Ausgabe der Ruhr Nachrichten im Einsatz. Bei OSK arbeitet er als Online- und Social-Media-Redakteur, auf dem Agentur-Blog schreibt Carsten über den Medienwandel und Trends im Bereich Mobile und (Online-)Video. Privat verfolgt er Neuigkeiten in der Videospiel- und Gaming-Szene, schaut gerne Let's-Plays auf YouTube und greift auch selbst zu Maus und Gamepad.

// More About