//KW 07 – Das Aussterben des Newsrooms: Klaus-Peter Frahm über „heimatlose“ Medien

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Liebe Leserinnen und Leser,

in der Gerüchteküche brodelte es schon länger, jetzt steht fest: Mark Zuckerberg kommt nach Berlin. Am 26. Februar wird der Facebook-Gründer in der deutschen Hauptstadt ein „Townhall Meeting“ ausrichten. Auf Facebook schrieb Zuckerberg, er wolle bei seinem Auftritt Fragen der Nutzer aus Deutschland und anderen Ländern beantworten. Bereits in den ersten Stunden nach diesem Post kamen mehrere tausend Bemerkungen der User zusammen. Viele davon beziehen sich auf Hasskommentare – und den Vorwurf, dass das Netzwerk dagegen nicht konsequent genug vorgehe. Wo Zuckerberg in Berlin auftreten wird, ist noch unklar. Das Treffen soll über einen Livestream übertragen werden.

Auch für die „Instant Articles“ wird Facebook immer wieder kritisiert. Mit diesem Feature können Medien ihre Inhalte direkt auf dem Netzwerk veröffentlichen. Die Kritiker befürchten, dass Verlage sich damit in eine zu große Abhängigkeit von Facebook begeben.

Diese „Homeless Media“, also Publisher, die zunehmend oder sogar ausschließlich auf fremden Web-Präsenzen veröffentlichen, sind diese Woche eines unserer Newsletter-Themen. Ist eine eigene Homepage überhaupt noch nötig?

Das Aussterben des Newsrooms: Klaus-Peter Frahm über „heimatlose“ Medien

Benötigen Medien und Unternehmen überhaupt noch eigene Websites oder Apps? Ist es nicht sinnvoller, den Fokus auf Plattformen wie Facebook und Co. zu richten und konsequent dort zu publizieren, wo viele Leser ohnehin schon sind? Nicht, wenn es nach Klaus-Peter Frahm, Leiter Business Development bei news aktuell, geht. Er hat sich intensiv mit „homeless media“ beschäftigt und bezweifelt, dass Medien und Marken den Verlust ihres Zuhauses, ihrer Heimat, verkraften können. Es stünde schließlich nicht weniger auf dem Spiel als die eigene Identität, „üblicherweise geprägt von Vollständigkeit, Nachhaltigkeit, Entdeckbarkeit, Gestaltung und Aufbereitung der eigenen Inhalte.“

Ein Unternehmen, ob aus der Medienbranche oder einem anderen Bereich, ohne eigene Homepage ist aus unserer Sicht bisher kaum vorstellbar. Eine eigene Seite ist als Anlaufstelle für (potenzielle) Kunden und erste Informationsquelle nach wie vor enorm wichtig. Dennoch sollten die Bedeutung und die zunehmende Macht der sozialen Medien nicht unterschätzt werden. Unternehmen müssen auch diese Kanäle konsequent für ihre Kommunikation nutzen. Sie sind eine Chance – zusätzlich zur „Heimat“.

Quartz wächst und wächst und wächst

Quartz gehört zu den am schnellsten wachsenden News-Seiten im Netz. Das Erfolgsrezept: Die Macher haben sich von Beginn an auf mobile Endgeräte konzentriert. Denn früh erkannten sie, dass „Mobile First“ die Zukunft ist. Ergebnis: 16,8 Millionen Homepage-Besucher allein im Dezember und ein Umsatz-Plus von 85 Prozent. Nun legt Quartz-Herausgeber Jay Lauf mit der neuen iOS-App der News-Seite nach (Android soll bald folgen). Auf internationalen Medienseiten erhält die App schon Vorschusslorbeeren, denn sie vereint erstmalig zwei große Trends: Messaging und Push-Notifications. Der Clou: Die Quartz-App sieht aus wie ein Messenger. Im Mittelpunkt steht die Interaktion mit dem Leser. Er entscheidet, zu welchen Nachrichten er mehr Informationen haben will. Jay Lauf hat mit Joseph Lichtermann von netzpiloten.de über den neuen Ansatz gesprochen.

Der Ansatz der Quartz-App ist definitiv interessant. Sie vereint journalistische Inhalte-Vermittlung mit den Lesegewohnheiten einer jungen Zielgruppe, die mit Messaging-Diensten groß geworden ist. Der Leser muss sich aktiv dafür entscheiden, welche Themen er weiterverfolgen möchte. Das steigert das Interesse an Artikeln sowie die Bindung an die Marke.

Influencer-Marketing: Mediakraft & Co bekommen Konkurrenz von klassischen Vermarktern

Im Interview mit HORIZONT spricht Mediakraft-CEO Spartacus Olsson über das Verhältnis zwischen Multi-Channel-Networks und dem TV-Werbemarkt. Bisher hätten Multi-Channel-Networks Künstler betreut, denen eine sehr junge, an Fernsehformaten uninteressierte Zielgruppe gefolgt sei. Deshalb habe es in den letzten Jahren kaum Überschneidungen mit klassischen Vermarktern gegeben. „Das verändert sich jetzt, weil mehr und mehr Leute – auch ältere Zielgruppen – in der digitalen Medienwelt ankommen“, erklärt Olsson. Das sorge dafür, dass der Wettbewerb zunehme. Die große Herausforderung für die gesamte Branche – egal ob TV oder Webformate – sieht Olsson in der Gestaltung von ansprechender Werbung. Dabei nimmt er die komplette Marketingbranche in die Pflicht: „Wie gestalten wir Werbung so, dass wir diese Menschen erreichen, ohne sie vor den Kopf zu stoßen und zu ärgern?“

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Dieser Artikel wurde vor mehr als einem Jahr veröffentlicht. Sein Inhalt ist möglicherweise nicht mehr aktuell.

Online-Redakteur

Carsten Christian ist studierter Journalist und Kommunikationswissenschaftler, seinen Master-Abschluss hat er an der Uni Hamburg gemacht. Bevor er zur Agentur kam, war der Digital Native mehr als zwei Jahre für die Online- und Print-Ausgabe der Ruhr Nachrichten im Einsatz. Bei OSK arbeitet er als Online- und Social-Media-Redakteur, auf dem Agentur-Blog schreibt Carsten über den Medienwandel und Trends im Bereich Mobile und (Online-)Video. Privat verfolgt er Neuigkeiten in der Videospiel- und Gaming-Szene, schaut gerne Let's-Plays auf YouTube und greift auch selbst zu Maus und Gamepad.

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