//KW 03 – Keine Retweets mehr? Twitter denkt über viele Neuerungen nach

OSK Weekly KW 03 - Twitter

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

lange hieß es, Twitter habe keine Zukunft und sei insbesondere bei jungen Nutzern wenig beliebt. Doch trotz der Kritik hat Twitter eine treue Nutzergemeinde und entwickelt sich weiter. Zudem hat sich der Kurznachrichtendienst als wichtiges Tool für Journalisten sowie Unternehmen fest etabliert. Wir fassen die wichtigsten Twitter-News im aktuellen OSK Weekly für Sie zusammen.

Viel Spaß beim Lesen!

Jüngere Twitter-Nutzer interessieren sich für Technik und Produkte

Glaubt man einer Untersuchung, die Twitter im vergangenen Jahr (selbst) durchgeführt hat, ist die Plattform in Deutschland bei jüngeren Usern nicht so unbeliebt, wie oft angenommen. Demnach ist knapp jeder zweite Twitter-Nutzer (48 Prozent) in Deutschland zwischen 18 und 34 Jahre alt. Diese User interessieren sich überdurchschnittlich für Technik. 40 Prozent von ihnen sei es wichtig, die neueste Technologie zu besitzen.

Inhaltlich würde sich diese Nutzergruppe bevorzugt über Produkte und Marken austauschen: Im Untersuchungszeitraum habe fast die Hälfte von ihnen (44 Prozent) einen Tweet mit einer Kaufempfehlung geteilt. 42 Prozent informierten ihre Follower regelmäßig über neue Produkte und Services.

Twitter plant segmentierte Tweets

Twitter arbeitet daran, in diesem Jahr einige Neuerungen einzuführen, welche Business 2 Community zusammengefasst hat. Unter anderem soll es die Möglichkeit geben, Retweets einzuschränken beziehungsweise zu stoppen. Das ist dann nützlich, wenn man die Kontrolle über einen Tweet behalten möchte, der mitunter aus dem Ruder gelaufen ist. Spannender finden wir jedoch die Idee, dass Publisher zukünftig auswählen können sollen, an welche Nutzergruppen sie einen Tweet senden. Anderen Usern wird er dann nicht angezeigt. Mit dem Feature könnten Unternehmen dann zum Beispiel presserelevante Tweets an Journalisten senden und Produkt-News an Endkonsumenten. Zwar handelt es sich dabei bislang lediglich um eine Konzeptidee, sie würde Publishern jedoch helfen, ihre Twitter-Kommunikation sinnvoll zu segmentieren.

Darüber hinaus sollen Twitter-User bald vor der Veröffentlichung eines Tweets entscheiden können, wer darauf antworten darf. Die Funktion soll über vier Auswahlmöglichkeiten verfügen:

Global: Jeder kann auf den Tweet antworten.

Gruppe: Nur Follower und Accounts, die der Originalnutzer selbst erwähnt hat, können antworten.

Panel: Nur die erwähnten Konten dürfen antworten.

Statement: Niemand darf direkt auf den Tweet antworten.

Zunächst soll es einen begrenzten Testlauf mit der neuen Funktion geben. Der soll im ersten Quartal 2020 stattfinden.

Mit Tweets Geld verdienen: Bekommt Twitter ein Bezahl-Feature?

Eine weitere Neuerung, über die Twitter nachdenken soll, ist, via Tweet Geld an andere User zu spenden. Sollte die Idee umgesetzt werden, könnte sich dies massiv auf die Plattform auswirken, wie onlinemarketing.de schreibt. Twitterer mit vielen Followern könnten den Dienst dann als neues zusätzliches Einkommen nutzen.

Autorin Aniko Milz schreibt dazu: „Der Content, den wir zu sehen bekämen, wäre sicher nicht mehr der gleiche. Zwar wird die Plattform bereits jetzt häufig für Fundraising genutzt, dieses würde durch ein Bezahl-Feature deutlich erleichtert, doch sich ,normale‘ Tweets bezahlen zu lassen, könnte den Twitter-Feed verändern.“ Milz geht davon aus, dass User, die sich dazu entscheiden, Geld für ihre geteilten Inhalte zu verlangen, ihre Reichweite extrem einschränken würden. Dennoch sei ein derartiges Bezahlmodell nicht völlig abwegig, da ähnliche Modelle auf YouTube oder der Livestreaming-Plattform Twitch funktionieren.

Keine Audience Insights mehr ab Ende des Monats

Twitter hat bestätigt, die Audience Insights aus dem Bereich Analytics Ende Januar zu entfernen (Tab „Zielgruppen“). 2015 eingeführt, gab der Bereich unter anderem detaillierte Einsichten zu Nutzer-Demografie und -Interessen. Diese Infos sind mitunter hilfreich für Publisher, um ihre Twitter-Strategie bezüglich der Inhalte und Anzeigen zu verfeinern. Bisher hat die Plattform keine Informationen veröffentlicht, ob es eine Alternative zu den Audience Insights geben wird.

Prominente Werbung im Explore-Tab

Nach mehrmonatigen Tests erlaubt Twitter das Schalten von Werbung ganz oben im sogenannten Explore-Tab nun auch in Deutschland, wie t3n schreibt. Der Explore-Tab ist in der deutschen Twitter-Version unter #Entdecken zugänglich und zeigt Nutzern die aktuellen Trends ihrer jeweiligen Region an. Mit der neuen Werbeoption „Promoted Trend Spotlight“ können Publisher sechssekündige Videos und GIFs sowie statische Bilder im Explore-Tab anzeigen.

t3n geht davon aus, dass die Anzeigen-Option aufgrund ihrer Platzierung das Potenzial hat, die Aufmerksamkeit vieler Nutzer zu gewinnen. Gleichzeitig werde man für die Werbung wahrscheinlich tief in die Tasche greifen müssen. Konkrete Preise habe Twitter zwar nicht dazu genannt, aber schon die Option „Promoted Trend“ solle pro Tag um die 250.000 US-Dollar kosten.

Best Practice deutscher Unternehmen

Zahlreiche deutsche Unternehmen sind auf Twitter aktiv und haben eine starke Community aufgebaut. Die Daimler AG etwa hat über 61.000 Follower, der internationale Twitter-Kanal @MercedesBenz rund 3,45 Millionen. Für die Kommunikation mit Medienvertretern hat der Autokonzern unter @MB_Press darüber hinaus einen eigenen Pressekanal gestartet, auf dem das Unternehmen relevante Branchen-, Unternehmens- und Produkt-News veröffentlicht. Mit 267.000 Followern erreicht auch die Deutsche Lufthansa viele Menschen über den Kurznachrichtendienst. Neben werblichen Tweets bietet die Fluggesellschaft Einblicke hinter die Kulissen. So zeigt Lufthansa beispielsweise, wie die Innenausstattung eines alten Airbus A340 für die Herstellung exklusiver Lifestyleprodukte verwendet wird.

Natürlich kann die Nutzung von Twitter – wie von jedem anderen sozialen Netzwerk – für Unternehmen auch zu einer echten Herausforderung werden, wie zum Beispiel kürzlich die Deutsche Bahn erfahren musste. Bei richtigem Umgang können interessante Tweets mit einer verwertbaren Neuigkeit jedoch durchaus zu einem positiven Presseecho führen. Ebenso hilft die Plattform Unternehmen dabei, frühzeitig kritische Themen und Diskussionen zu identifizieren, um rechtzeitig reagieren zu können, bevor der Shitstorm nicht mehr aufzuhalten ist.

Edit Button bleibt ein Traum

Twitter-Chef Jack Dorsey hat kürzlich für WIRED Nutzerfragen und -vorschläge zur Plattform beantwortet. Unter anderem kam dabei heraus, dass das Unternehmen nicht plant, eine Edit-Funktion für veröffentlichte Tweets einzuführen. Viele Nutzer wünschen sich diese Möglichkeit, um Schreibfehler oder falsche Links nachträglich in Tweets zu korrigieren, ohne gleich den Post löschen zu müssen. Doch Dorsey erteilt der Idee eine klare Absage. Der Grund: Sobald ein Tweet veröffentlicht wird, können ihn andere User via Retweet verbreiten. Sollte der Urheber zukünftig in der Lage sein, das Original zu verändern, böte dies Raum für potenziellen Missbrauch.

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Online-Redakteur

Carsten Christian ist studierter Journalist und Kommunikationswissenschaftler, seinen Master-Abschluss hat er an der Uni Hamburg gemacht. Bevor er zur Agentur kam, war der Digital Native mehr als zwei Jahre für die Online- und Print-Ausgabe der Ruhr Nachrichten im Einsatz. Bei OSK arbeitet er als Online- und Social-Media-Redakteur, auf dem Agentur-Blog schreibt Carsten über den Medienwandel und Trends im Bereich Mobile und (Online-)Video. Privat verfolgt er Neuigkeiten in der Videospiel- und Gaming-Szene, schaut gerne Let's-Plays auf YouTube und greift auch selbst zu Maus und Gamepad.

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