//KW 25 – Sprachassistenten: Der deutsche Google Assistant muss ein Besserwisser sein

OSK Weekly KW 25 - Sprachassistenten Titel

Sie möchten unseren Newsletter zukünftig direkt an Ihr E-Mail-Postfach zugestellt bekommen? Dann melden Sie sich hier für den OSK Weekly an.


 

Liebe Leserinnen und Leser,

die Hotel-Kette Marriott hat angekündigt, alle Zimmer ihrer Häuser mit Amazons Echo-Lautsprechern auszustatten. Das Beispiel zeigt, in welch rasantem Tempo digitale Sprachassistenten Einzug in unseren Alltag halten. Sowohl für Verbraucher als auch Unternehmen stecken in der neuen Technik große Chancen, aber ebenso einige Hürden. Im aktuellen OSK Weekly beschäftigen wir uns daher ausgiebig mit den Diensten.

Viel Spaß beim Lesen!


Passend zum Thema gibt’s diese Ausgabe des Newsletters auch als Audio-Version:


Knapp die Hälfte der Deutschen nutzt Sprachassistenten im Alltag

Digitale Sprachassistenten sind 88 Prozent der Deutschen ein Begriff, schreibt das Magazin Markenartikel und greift dabei die Ergebnisse einer Untersuchung der Gesellschaft für integrierte Kommunikationsforschung (GIK) auf. Amazons Alexa sei mit 74 Prozent allgemein am bekanntesten. Bereits knapp die Hälfte der Deutschen würde Dienste wie Siri oder Alexa im Alltag nutzen, um beispielsweise Musik abzuspielen oder vernetzte Geräte zu steuern. Doch es könnten noch viel mehr sein, wären da nicht die Bedenken um Sicherheit und Datenschutz. So hätten 83 Prozent der Befragten angegeben, Angst davor zu haben, abgehört zu werden.

Dieser Mann bringt dem Google Assistant deutsche Eigenheiten bei

Wer eine Kultur verstehen will, muss viel mehr lernen als nur die Grammatik der jeweiligen Sprache. Das gilt auch für digitale Sprachassistenten. Bei Google ist ein ganzes Team dafür verantwortlich, dem Assistant deutsche Eigenheiten beizubringen. Wired hat mit dem Leiter des Teams, dem US-Amerikaner Benjamin Dorvel, über seine Aufgaben und deutsche Eigenheiten gesprochen. Der deutsche Assistent habe einen Hang zur Besserwisserei, eine gewisse Direktheit, pragmatische Sachlichkeit, eine angenehme Zurückhaltung, einen trockenen Sinn für Humor – und einen Funken von Philosophie und Poesie. Anders als in den USA mache er keinen unnötigen Small Talk, sondern gebe mit unnützem Wissen und populären Irrtümern an. Wer den Assistant beispielsweise nach Siri fragt, bekommt die Antwort: „Manchmal veräppelt sie mich. Aber ich mag sie trotzdem.“ Solche Antworten würden nicht vom Algorithmus geschrieben, sondern von einer Redaktion aus ehemaligen Radiomoderatoren, Schriftstellern, Dramaturgen, Synchronsprechern und sogar ehemaligen Pixar-Mitarbeitern.

Die neue A-Klasse bekommt einen eigenen Sprachassistenten

Für die neue Mercedes-Benz A-Klasse hat Daimler das Assistenzsystem „Mercedes Benz User Experience“ entwickelt, mit dem Insassen Cockpit-Funktionen per Sprache steuern können. Entertainment-Angebote auswählen, Routen suchen oder Nachrichten abrufen ist schon länger Standard in modernen Autos. Nun kann aber auch vieles im Cockpit über die Stimme eingestellt werden – etwa die Klimaanlage oder die Sitzeinstellungen. Das System versteht natürliche Befehle und Anfragen wie ein Mensch und beherrscht 23 Sprachen. Die künstliche Intelligenz lernt zudem mit der Zeit den Wünschen und Vorlieben des Fahrers entsprechend neue Fähigkeiten.

Sprachassistenten verändern die Unternehmens-Kommunikation

Smart Speaker boomen: 50 Millionen Geräte könnten in diesem Jahr verkauft werden, schreibt t3n. Es sei der am schnellsten wachsende Bereich im Feld Consumer Technology. Der Erfolg der digitalen Sprachassistenten verändert gerade die Unternehmenskommunikation. Frank Bachér, Digitalchef von RMS, einem der größten Audiovermarkter in Deutschland und Österreich, sagt voraus, dass Werbespots zukünftig deutlich interaktiver werden. Auf einen Call-to-Action könnten Nutzer bald per Sprachbefehl reagieren. Aufforderungen wie „Leite mich auf die Seite weiter“ ließen dem Kunden dann die Wahl, wie er mit der Werbung umgehen möchte. Welche Herausforderung die neue Technik an Unternehmenskommunikation stellt, zeigt Alexander Ewig, Geschäftsführer von Media Markt Saturn Marketing, im Horizont-Interview auf. Eines der größten Probleme sei die fehlende visuelle Unterstützung. Marken müssten neue Wege finden, ihre Botschaften zu branden. Dies könne beispielsweise über regelmäßig eingesetzte Sprecher funktionieren oder über Soundlogos, um eine Wiedererkennbarkeit des Unternehmens herzustellen.

Unternehmen investieren in Cortana

Bei Endverbrauchern spielt Microsofts Sprachassistent Cortana nur die vierte Geige. Unternehmer setzen hingegen große Stücke auf den Dienst. Laut einer Umfrage des auf Telefonie-Sicherheitslösungen spezialisierten Unternehmens Pindrop wollen 78 Prozent der befragten Unternehmen in den kommenden zwei Jahren in Cortana investieren – genauso viel wie in den Google Assistant. Alexa von Amazon landete mit 77 Prozent nur knapp dahinter. Den letzten Platz belegte Apples Sprachassistent Siri mit 68 Prozent. Für das Interesse an Cortana im Business-Bereich sei vor allem die mögliche Einbindung des Assistenten in eigene Anwendungen und für IoT-Produkte verantwortlich. Speziell im Bereich Service-Apps könnte Cortana in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Den Konsumentenbereich überlasse Microsoft indes weiter der Konkurrenz.

Radiomacher sprechen Hörer zukünftig individuell an

Radiosender haben das Potenzial von Smartspeakern erkannt. Laut dem Blog der bayrischen Landesregierung seien in Deutschland von den insgesamt 453 Alexa-Skills aus der Kategorie Musik und Audio rund 70 von UKW-Programmen oder Radiosendern. Die Skills für Amazons Sprachassistenten ermöglichen Radiomachern, Content personalisiert auszuspielen. Ein Beispiel dafür sei der Skill von Antenne Bayern „Affenbeste Freunde“. Ein Programm für Gute-Nacht-Geschichten, bei dem Kinder per Sprachsteuerung den Namen des Protagonisten ändern können und so Teil der Erzählung werden. Auch der Vermarktung böten Skills ganz neue Perspektiven. Denkbar sei es, in Zukunft neben der herkömmlichen Webradiowerbung auch interaktive Audiowerbung auszuspielen.

Dieser Artikel wurde vor mehr als einem Jahr veröffentlicht. Sein Inhalt ist möglicherweise nicht mehr aktuell.

Online-Redakteur

Carsten Christian ist studierter Journalist und Kommunikationswissenschaftler, seinen Master-Abschluss hat er an der Uni Hamburg gemacht. Bevor er zur Agentur kam, war der Digital Native mehr als zwei Jahre für die Online- und Print-Ausgabe der Ruhr Nachrichten im Einsatz. Bei OSK arbeitet er als Online- und Social-Media-Redakteur, auf dem Agentur-Blog schreibt Carsten über den Medienwandel und Trends im Bereich Mobile und (Online-)Video. Privat verfolgt er Neuigkeiten in der Videospiel- und Gaming-Szene, schaut gerne Let's-Plays auf YouTube und greift auch selbst zu Maus und Gamepad.

// More About