//KW 14 – Homeless Media: Content ohne richtige Heimat

OSKWeekly KW 14 Titel - Homeless Media

Liebe Leserinnen und Leser,

Chatbots sind aktuell ein Phänomen, mit dem einige Unternehmen und Medienhäuser in Messengern wie WhatsApp oder eigenen Apps experimentieren. Chatbots sind Programme, die Nutzern das Gefühl eines natürlichen Gesprächs geben sollen. Vereinfacht funktioniert das so: Der Nutzer schickt eine Anfrage an den Chatbot, der auf eine Datenbank zurückgreift und mit Hilfe der dort gespeicherten Informationen und Angaben die Frage beantwortet. Die Einsatzmöglichkeiten dieser Chat-Roboter scheinen vielfältig zu sein. Sie gehen von Servicedienstleistungen wie dem Bestellen einer Pizza bis zu Produktinformationen. Der Vorteil: Ohne selbst zu suchen, bekommt der Nutzer die Antworten direkt auf sein Handy geliefert.

Doch das System hat noch seine Lücken und Tücken. In der vergangenen Woche hat es Microsofts Chatbot „Tay“ in die Schlagzeilen geschafft – als Negativbeispiel. „Tay“ sollte von jungen Menschen lernen, wie 18- bis 24-Jährige heute so kommunizieren. „Je mehr du redest, desto schlauer wird Tay“, lautete die Ansage von Microsoft. Was als trendiger Teenager-Chatbot starten sollte, endete jedoch nach 24 Stunden als PR-Desaster. Denn wie das Unternehmen lernen musste, lockt so ein Experiment sehr schnell Trolle an. Und die brachten dem Programm jede Menge rassistische und beleidigende Sätze bei, die der Microsoft-Bot „Tay“ dann munter in die Welt posaunte.

Das Beispiel zeigt, dass Chatbots noch nicht ausgereift sind. Dabei ist das Prinzip auch für den Journalismus interessant, vereint es doch Push- und Pull-Kommunikation miteinander. Ein Chat-Roboter bietet aktuelle Nachrichten an, lernt die Vorlieben der jeweiligen Nutzer, reagiert aber auch auf deren Eingaben. Bevorzugt der User eher Texte, Videos oder Fotos? Je nachdem passt der Chatbot die zur Verfügung gestellten Inhalte in seinen Antworten an.

Die Washington Post plant schon einen Chatbot für ihren Newsdienst. Der Director of Product der Washington Post will mit dem WaPo Bot allerdings keinen „intelligenten Gesprächspartner“ entwickeln, um etwaige Missbräuche zu vermeiden. Der Dienst soll in etwa so funktionieren, wie die Quartz-App (wir berichteten in OSK Weekly KW07 darüber), nämlich durch die Vereinigung zweier Trends: Messaging und Push-Notifications. Im Mittelpunkt steht die Interaktion mit dem Leser. Er entscheidet, zu welchen Nachrichten er mehr Informationen haben will. Und natürlich, wo Innovationen sind, kann Facebook nicht weit sein. Auch wenn es manchen Experten erstaunt, dass das größte soziale Netzwerk erst relativ spät auf den Zug aufspringt. Aber: Nächste Woche soll angeblich über den weiteren Verlauf hinsichtlich eines Chatbots entschieden werden.

Wir verbleiben vorerst bei der klassischen Pull-Kommunikation und liefern heute, ganz bequem zum Nachlesen, wieder spannende Themen aus der Medienwelt.

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