//“Es gibt nicht DEN Journalismus“ – Christoph Amend zur Zukunft des Journalismus

fotoSein Medienverhalten hat er immer wieder komplett geändert. Bis vor ein paar Jahren noch als regelmäßiger Blog-Surfer unterwegs, liest Christoph Amend (41), Chefredakteur des ZEITmagazins, Beiträge auf Blogs mittlerweile vor allem, wenn er über Posts oder Tweets auf sie aufmerksam gemacht wird. Seine Erfahrung: Die Leute, mit denen er befreundet ist oder denen er folgt, sind recht gut darin, Beiträge oder Links zu posten, die ihn interessieren.

Zur Zukunft des Journalismus befragt, äußert sich Amend differenziert, es gebe eben nicht DEN Digital-, DEN Print- oder DEN Social-Media-Journalismus. Ein besonderes Faible hat er für ausführliche, gut recherchierte und geschriebene Geschichten. Das ist es, was die Leserinnen und Leser seiner Erfahrung nach sehen wollen – anstelle der immer gleichen Bilder oder austauschbaren Beiträge. Und dass die Geschichten aus dem ZEITmagazin auch international gut ankommen, zeigt der Erfolg der englischsprachigen Ausgabe, die eine „Best of“-Sammlung darstellt und einer experimentellen Idee entsprang. Ende März kommt die nächste Ausgabe auf den globalen Markt. Mit enthalten: ein Interview, das auf einem ZEITmagazin-Live-Talk mit Lena Dunham basiert, der US-amerikanischen Schauspielerin, Filmproduzentin, Filmregisseurin und Drehbuchautorin, bekannt vor allem durch ihre Fernsehserie Girls.

Christoph Amend, 1974 in Gießen geboren, machte 1993 in Butzbach sein Abitur und startete danach ein Studium der Anglistik und Politikwissenschaften. Nebenher begann er als freier Journalist zu arbeiten, unter anderem für das damals frisch gegründete jetzt-Magazin der Süddeutschen Zeitung. Mit 21 erhielt er dann ein Jobangebot in der Redaktion in München. Damit war die Uni passé. Stattdessen machte Amend seinen Weg im Journalismus. Ende der 90er-Jahre wurde er stellvertretender Redaktionsleiter des jetzt-Magazins. Als Giovanni di Lorenzo beim Tagesspiegel in Berlin anfing und den seinerzeit 24-Jährigen fragte, ob er ebenfalls dorthin wechseln wolle, folgte er dem Ruf – aus einer reinen Bauchentscheidung heraus, wie er sagt. Sein Job dort: zunächst Redakteur für besondere Aufgaben mit dem Auftrag, die „junge Perspektive“ mit ins Blatt zu bringen. 2001 folgte der Aufstieg zum Ressortleiter. 2004 stand wieder ein Wechsel an: zur ZEIT. Er übernahm die Leitung des Ressorts „Leben“ mit Sitz in Berlin, aus dem heraus 2007 das ZEITmagazin reanimiert wurde. Dieses verantwortet er seitdem. Neben seinem Posten als Chefredakteur des ZEITmagazins ist Christoph Amend auch Herausgeber der Zeitschriften Weltkunst sowie Kunst und Auktionen, die beide im ZEIT-Kunstverlag erscheinen.

Im Interview geht Christoph Amend darauf ein, wie wichtig lange Geschichten für die Leserschaft des Magazins sind, wie wichtig Veranstaltungen geworden sind, und er erklärt, welche Rolle die Sozialen Medien für Periodika wie das ZEITmagazin als aktuelle Kanäle und journalistische Experimentierfelder spielen können, nicht zuletzt, um weiter junge Leser zu gewinnen.

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